Erster Triathlon meines Lebens

Nur noch 24 Stunden und der Tag der Tage ist endlich gekommen auf den ich mich das ganze Jahr gefreut habe. Das Abholen der Startunterlagen am Freitag Abend hat ja schon mal geklappt. Hurra ich bin dabei! Der erste Triathlon meines Lebens kann kommen. Habe ich an alles gedacht? Ist meine Tasche richtig gepackt? Ist mit dem Fahrrad alles in Ordnung? Meine Checkliste sagt ja , aber optimale Vorbereitung sieht anders aus. Eine kleine Erkältung in der Vorwoche steckt man doch eigentlich weg, auch wenn mein Unwohlsein eher auf den Sieg der Deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Portugal zurückzuführen ist. Aber aus meiner Sicht habe ich gut trainiert und es sollte alles klappen, hoffentlich. Nur an Schlaf mangelt es noch. Blöd, dass so eine Fußballweltmeisterschaft auch parallel in die Trainingsvorbereitung fallen muss. Diese ewig langen Nächte…Sei es Honduras gegen die Schweiz,  Korea gegen Belgien oder Japan gegen Kolumbien. Ich war bei allen Spitzenspielen live dabei….auch manch anderes Spiel hielt mich von einen kleinen Vorbereitungsläufchen ab. Abgesehen davon muss ich noch meinem Wettkampfpartner Alex Samstags beim Umzug helfen. Super, toll geplant! Aber leider geht’s nicht anders. Also heißt es anpacken, Kisten schleppen und Küche einbauen. Und dann passiert es, Alex schneidet sich so tief in den Finger, dass er leider für den Heinermann Triathlon ausfällt. Ab ins Krankenhaus und klammern. Ich bin fassungslos, Alex aber noch viel mehr. Die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht geschrieben. Aber „Lebbe geht weidder…“

Sonntag 5.25h, der Wecker klingelt. Warum immer so früh? Schnell noch ein Käffchen, ein wenig Müsli und los geht’s. Wettervorhersage: Regen und 16 Grad. Toll. Könnte schöner sein, aber zum Glück werde ich von dem „schwerverletzen“ Alex und meiner Freundin begleitet. Ankunft in Darmstadt um 06.45h. Noch schnell zum Check In und die Wechselzone vorbereiten. Kaum am Wechselzonenplatz angekommen, fängt es an zu Regnen. Aber es Regnet nicht nur, sondern der Himmel öffnet seine Tore und es fallen „Hunde und Katzen“ von oben. Ich entscheide spontan mich gleich in der Wechselzone bei strömenden Regen umzuziehen. Ist jetzt auch egal, trocken werde ich jetzt eh nicht mehr. Meine Tasche mit den frischen Klamotten ist ebenfalls schon durchweicht und das Regencape hilft gegen die Wassermassen auch nicht mehr. Das fängt ja gut an. Wenigstens sind die Laufschuhe und Radschuhe unter dem „Wechselkorb“ trocken gelagert. Freue mich schon auf das 21,5 Grad warme Wasser. Bin schon ganz ausgekühlt. Aufgrund des starken Regens bin ich mir nicht sicher ob ich in der Hektik alles richtig vorbereitet habe. Alle Sportler warten nun unter dem Dach der Umkleide auf die Einweisung und den Start. Dort erfahre ich, dass viele ihren Start aufgrund der widrigen Wetterbedingungen zurückgezogen haben. Soll ich das auch machen? Nein, ich bleibe hart. Deswegen bin ich doch so früh aufgestanden und habe dafür Monate trainiert. Ich muss da jetzt durch. Es wird langsam sehr kalt, ich friere schon! Der Start wird um eine halbe Stunde verschoben, da das Wetterradar bessere Aussichten voraussagt. Hoffentlich stimmt das…Habe ich noch ein langärmliges warmes und trockenes Oberteil dabei? Leider nein, ist alles schon feucht geworden…Alex leiht mir seinen Fliespullover.

8.20h, die Einweisung erfolgt im Regen…das Radar hätte ja mal stimmen können. Aber es soll ja besser werden. 8.30h, endlich, gleich geht es los. Im warmen Wasser lässt es sich aushalten. Nachdem ich gehört habe, welche Zeiten die Nebenbuhler schwimmen wollen, gehe ich freiwillig Reihe um Reihe nach hinten durch. So, der Startschuss ist gefallen und das Wasser brodelt. Hier ein Arm, dort eine Fußsohle …dort ein Ellbogen. Aua bitte nicht treten. Lichtet sich hoffentlich bald und wird dadurch bestimmt besser. Falsch, in an den Bojen kommt es jedes mal zum Stau. Sonntagsschwimmen mit Badekappe! Wo sind die Leitlinien aus dem Schwimmbad? Wo muss ich entlang? Kopf hoch, dann schwimme ich halt erst einmal Brust. Es entzerrt sich endlich. Dann fange ich mal an zu kraulen. Oh, falsche Richtung, dann doch wieder kurz Brustschwimmen. Vor mir kreuzt ständig ein Krauler, mal von recht, mal von links. Er hat bestimmt schon die doppelte Strecke geschwommen als ich, ist aber genauso schnell wie ich. Ich schwimme weiter Brust und ab und zu auf gerader Strecke kraule ich. Land in Sicht. Ich freue mich, muss aber laut Aussage meiner Begleiter nach dem Schwimmen sehr abgekämpft und schwach ausgesehen haben.

Endlich geht es zu Radfahren. Der Wechsel klappt gut und ich habe bei den Vorbereitungen nichts vergessen. Leider ist durch den Regen alles rutschig und der Rasen in der Wechselzone ist tief. Wie beim Fußball denke ich, aber da zieht man sich bei so einem Schmuddelwetter die 18er Alustollen auf und nicht die rutschige Plastikschuhe. Auf dem Rad läuft es trotz der nassen Straßen sehr gut. Es hat mittlerweile sogar aufgehört zu regnen. Ab und zu noch ein kleiner Schauer, aber daran habe ich mich gewöhnt. Ich hole auf. Ja, endlich Erfolgsgefühle. Die langen Ausflüge mit dem Rad haben sich anscheinend doch gelohnt. Ich hole einen nach dem anderen ein. Nur mit der Nummer 166 battle ich mich ein wenig, ziehe aber am Ende vorbei. Am Straßenrand sehe ich mehrere Triathleten mit einer Panne. Hoffentlich passiert mir das nicht. Mir kommt schon der führende entgegengefahren. Er hat nur noch ein paar Meter vor sich. Wow, krasser Typ und ich habe erst das Radfahren begonnen. Die Kreisel und Wendepunkte sind nur bei geringster Geschwindigkeit zu durchfahren. Aber ich komme zum Glück ohne Sturz aus, bei anderen sieht das leider anders aus. Jetzt nur noch 20km. Verdammt, die Blase drückt. Und nun, stehen bleiben und an den Rand stellen oder doch bis zum Laufen warten. Was mach ich nur. Ich überlege kurz, drehe mich um, keiner hinter mir. Ich Entspanne mich, schön warm! So jetzt wieder die Flüssigkeit auffüllen und einen Riegel essen. Die letzten 5 km nur noch entspannt fahren und schon mal Kraft für’s Laufen sparen. Nur noch dieser kleine Hügel dann ist es fast geschafft. Da ist mein kleiner Fanclub, winken nicht vergessen…Olé. In der Wechselzone werde ich gleich von einem Schiedsrichter angezählt. „Den Helm erst an deinem Wechselplatz öffnen“. Ich gebe klein bei und schließe den Kinnverschluss wieder. Kann ja mal passieren, denke ich.

Beim Wechsel zum Laufen verrutschen mir durch die Feuchtigkeit beim Einsteigen die Sohlen der Laufschuhe. So ein Mist, also nochmal raus und wieder rein. Immer noch nicht richtig, aber nicht noch mehr Zeit verlieren. Egal, los geht es zum Laufen. Die Beine gewöhnen sich nur langsam an das Laufen. Hätte doch öfters Koppeltraining machen sollen. Es dauert zwei bis drei Kilometer bis der Körper sich darauf einstellt hat. Währenddessen überholen mich wieder die Überholten. Hoffentlich erkennt mich keiner. Aber ich hänge mich an die Fersen und versuche in mein Rhythmus zu kommen. Bergauf fällt es mir schwer, aber nach auf kommt ja bekanntlich ab. Endlich habe ich mein Tempo gefunden und es läuft ganz gut. Kann sogar noch ein paar Läufer überholen. Den Führenden habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen. Dort ist wieder mein Fanclub, Olé. Ich kämpfe und gebe mir die letzten 4 Kilometer den Rhythmus vor. 1, 2, 3, 4 und 1,2,3, 4…die Zeiten stimmen und die letzten drei Kilometer geht es zum Glück stetig bergab. Ich habe das Gefühl ich lege zu, aber komischerweise dauert der letzte Kilometer schon 6 Minuten. Irgendetwas stimmt nicht. Wahrscheinlich vom Veranstalter falsch ausgemessen. Nur noch diese Kurve und ich bin im Ziel. Auf der Zielgeraden überkommt mich ein überwältigendes Gefühl. Geil, ich hab‘s geschafft. Mein erster Triathlon, na gut, die Olympische Distanz geht nach 2:46:06 Stunden (0:34:49 Std./1:18:19 Std./0:52:58Std.) zu Ende. Adrenalin und Gänsehaut pur. Noch 10 Meter…“und hier kommt mit der Startnummer 197, Christian“, ertönt es aus den Boxen. Im Ziel erwartet mich mein Fanclub. Wie haben die das nur schon wieder geschafft rechtzeitig von der Strecke wieder hier aufzutauchen. Sind wohl gut trainiert. Ich nehme überglücklich meine Medaille entgegen und freue mich tierisch auf das alkoholfreie Erfrischungsgetränk und meinen nächsten Triathlon.

 

Sportlicher Gruß

 

Christian