Sommer, Sonne, Ironman!

Es war von langer Hand geplant, dass 2015 mein erstes Jahr auf der Triathlon Langdistanz werden sollte und vieles sprach für den Ironman Frankfurt als Wettkampf in der Umgebung. Leider lief die Vorbereitung bei weitem nicht ideal: ein Radsturz Anfang März zwang mich zur Absage des ALV Trainingslagers auf Mallorca und auch darüber hinaus zu einer etwa 6-wöchigen Zwangspause. Hätte ich zudem ein Jahr zuvor gewusst dass am Wettkampfwochenende Temperaturen bis 40°C zu erwarten wären, hätte ich mir die Entscheidung wohl auch noch mal durch den Kopf gehen lassen. Insgesamt sehr zweifelhafte Ausgangsbedingungen für eine erste Langdistanz.

Nun fand ich mich also eine Woche vor meinem Jahreshöhepunkt das Internet nach kühlender Bekleidung durchsuchend, um zumindest etwas zu tun um die bevorstehende Mammutaufgabe etwas erträglicher zu machen. Die letzten Trainingseinheiten legte ich alle in die frühen Morgenstunden um der Sonne möglichst aus dem Weg zu gehen und mich schon mal ans frühe Aufstehen zu gewöhnen.

Am Samstag vor dem Rennen gab es dann schon einen Vorgeschmack darauf was einen erwarten sollte: Bei 38°C Lufttemperatur war der Langener Waldsee natürlich überfüllt mit Badegästen und Parkplätze nahe des Rad Check-Ins nicht vorhanden. Also einen Parkplatz im nah gelegenen Zeppelinheim gesucht und von dort mit Sack und Pack hingeradelt. Der lange Fußmarsch zurück durch die Hitze brachte einen danach auch nicht gerade in Wettkampfstimmung. Die Verpflegungsstrategie war allerdings klar: So viel Flüssigkeit wie möglich zu mir nehmen, aber reines Wasser gehört eher über den Kopf als in den Bauch. Isotonische Flüssigkeit wird vom Körper schneller aufgenommen und an Salzmangel sollte das Unternehmen Ironman auch nicht scheitern.

Am Wettkampfmorgen dann die üblichen Handgriffe beim Präparieren des Rades. Die Grundstimmung in der Wechselzone war aber anders als sonst, viel angespannter als man es von kleineren Wettkämpfen kennt. Die meisten Athleten mit denen ich noch kurz eine paar Worte wechselte beunruhigte die Hitze, viele aber auch das Schwimmen ohne Neoprenanzug. Viel geredet wurde aber insgesamt nicht, das machte die Stimmung am Waldsee doch fast idyllisch und noch war es nicht so heiß. Man wartete also schweigend am Strand und sah gebannt dem regen Treiben der Kajaks und Kameradrohnen zu. 

Und dann der Startschuss. Etwa 2500 Athleten sprinten in den Waldsee, als wären sie nicht noch für Stunden unterwegs. Ich hatte mir eine sehr defensive Strategie zurechtgelegt: bloß nicht überziehen bei den ersten zwei Disziplinen. Die Enge während der ersten 800 m machten ein freies Schwimmen eh unmöglich und erst als man durch das Nadelöhr erste Boje war verringerten sich die Tritte und Schläge vor der Seite etwas.

Schwimmen nach Massenstarts wird wohl nie meine Lieblingsdisziplin werden, aber immerhin überstand ich die 3.8 km ohne größere Vorkommnisse. Mit sehr entspannt geschwommenen 1:16 h lag ich voll im Plan und schon ging es auf den Radpart. Mein erster Eindruck von der Radstrecke war sehr gut, ich fand sofort gute Beine und musste mich auf dem wirklich schnellen Teilstück vom Waldsee nach Frankfurt mental bremsen um keinen 40er Schnitt auf den Asphalt zu legen. Auch die ersten Anstiege in Bergen-Enkheim, das kurze Kopfsteinpflasterstück in Maintal-Hochstadt und den "Heartbreak Hill" in Bad Vilbel hatte ich wesentlich schlimmer erwartet. Durch den Kopf ging mir immer nur mein Mantra: „Cool bleiben, ein 30er Schnitt ist völlig ausreichend!“ Auf der zweiten Runde zeigte die Radstrecke dann ihr anderes Gesicht: kein Schatten.Gegen 12 Uhr mittags war es schon so heiß, dass der kühlende Fahrtwind langsam in einen dauerhaften Fön um schwang. Ab km 150 ging es dann auch wirklich abwärts mit mir, die Distanz zwischen Verpflegungsstationen schien immer länger zu werden und auch der Körper heizte sich immer weiter auf. Der "Heartbreak Hill", den ich auf der ersten Radrunde noch etwas belächelt hatte, war in meinem Zustand dann schon eine Herausforderung.

Ich war daher glücklich nach einer beruhigenden Radzeit von 5:54 h die zweite Wechselzone zu erreichen. Nun begann also der Spaß! Die ersten Kilometer der Laufstrecke verliefen noch im Schatten, aber ab km 3 begann dann die Hitzeschlacht. An jeder der dicht gesetzten Verpflegungsstellen hab ich daher versucht möglichst viel zu trinken und mich mit Wasser und Eis abzukühlen. Das nahm zwar viel Zeit in Anspruch aber eine Zielzeit hatte ich mir eh nicht gesteckt, Hauptsache ankommen. Bis etwa km 17 ging dies auch sehr gut. Von da an plagten mich aber fiese Magenprobleme, wohl ein Zeichen der Dehydrierung, und ich brauchte 10 km mit vielen Gehpausen um wieder einen konstanten Laufschritt zu entwickeln.

Dieser Schritt wurde nur mit zunehmender Wettkampfdauer immer langsamer. Ich hatte mir im Vorfeld versucht einzureden, dass es ja auch nicht schlimm sei wenn man den Wettkampf abbrechen muss, und eigentlich bin ich der Meinung dass der sportliche Gedanke eines Triathlons verloren geht wenn man zu große Teile des Marathons gehen muss. Der Finisher-Gedanke trieb mich aber dazu immer wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen und mich, zwar nicht gehend, aber auch nur langsam dem Ziel zu nähern. Aufgeben war nun keine Option mehr, Ironman Spirit!

So erreichte ich nach 12:24 h erschöpft, aber überglücklich das Ziel und war etwas verwundert, dass dieser quälend langsame Marathon mit vielen Geh-, Kühl- und Verpflegungspausen doch nur knapp 5 h gedauert zu haben schien. Es hat viele Liter Wasser gebraucht um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen, den ich während dem Rennen aufgebaut hatte, aber insgesamt fühlte ich mich bereits am Abend trotz der Strapazen wieder erstaunlich gut.  

Mein Fazit ist also das folgende: Der Ironman Frankfurt war trotz allem Kommerz ein toller Wettkampf und die Veranstalter haben wirklich viel versucht um die Athleten bei der Hitze zu versorgen (bis auf die letzten Radkilometer, ich war wohl nicht der Einzige der dort Probleme hatte). Dies wird sicher nicht meine letzte Langdistanz gewesen sein. Beim nächsten Mal bin ich aber besser etwas schneller im Ziel, denn auf 12.5 h Sport unter Extrembedingungen kann ich in Zukunft gern verzichten ;-)

 

Thomas Berkemeier