Challenge Regensburg 2017 – meine erste Langdistanz

Angefangen hat alles eigentlich vor 10 Jahren, als ich in Wörrstadt meinen ersten Triathlon über die Sprintdistanz absolvierte und sofort vom Triathlon-Virus infiziert war. Eins kam zum anderen und ich machte 2008 meine erste Olympische Distanz und 2011 standen ein Marathon und eine Mitteldistanz auf der Agenda. Wäre da nicht eine Fußverletzung dazwischen gekommen, hätte ich mich vielleicht 2012 schon an das Projekt Langdistanz gewagt. 

Die Promotion 2014 und der Einstieg ins Arbeitsleben schoben das Vorhaben noch weiter nach hinten. 2016 war es dann endlich soweit. Nach langem Überlegen welcher Wettkampf denn der richtige sein könnte, meldete ich mich für die Challenge Regensburg an: mit bergiger Radstrecke – so war es ausgeschrieben. Mit meinem Arbeitgeber handelte ich eine Reduzierung auf 80% von März bis August aus, um weder das Training noch meinen Job zu vernachlässigen.

 

Das Training lief sich gut an und auch die Ankündigung des Veranstalters nicht mehr auf Berge sondern auf flach zu setzen, sollte der Motivation nur einen kleinen Dämpfer versetzen. Im April im Trainingslager auf Mallorca fraßen wir in acht Radtagen mehr als 1000 Kilometer und viele Höhenmeter und auch die Wettkämpfe zeigten meist eine gute Form an.

Die Mitteldistanz beim Moret-Triathlon zeigte, dass sich das Schwimm- und Lauftraining voll ausgezahlt hatte, lediglich mit der Radzeit war ich nicht so zufrieden, so dass ich an dieser Schraube noch etwas drehen wollte. Ende Juni bremste mich dann jedoch ein heftiger, unverschuldeter Auffahrunfall aus und ich war extrem froh, mich nicht für Roth oder Frankfurt gemeldet zu haben, dieser Wettkampf hätte für mich mit Schleudertrauma leider ausfallen müssen. So fuhr ich drei Wochen kein Rennrad und fünf Wochen nicht in der Aero-Position und hoffte, dass mich der Physio bis zum 13.08. wieder halbwegs hinbekommt.

 

Der Test über die olympische Distanz in Hofheim zwei Wochen vorher fiel nur so mittelprächtig aus, ich hatte Schmerzen im Nacken und auch die Zeiten waren nur solide, aber nicht das, was ich erwartet hatte. Am selben Abend noch wurde ich krank und lag erstmal flach. Jetzt wurde es langsam eng mit einer Belastung vor dem finalen Tapering. Irgendwie habe ich dann trainingstechnisch noch die Kurve bekommen und bei der letzten Radeinheit zwei Tage vorher fühlte ich mich richtig ausgeruht und fit.

Jetzt konnte er kommen, der große Tag! Und er begann morgens um vier mit dem Frühstück und anschließender Fahrt mit Jan bei Dunkelheit und Nieselregen zum Guggenberger See. Nochmal schnell alles in der Wechselzone checken, Flaschen ans Rad und feststellen, dass alles nass ist, da man keine Plastiktüten über die Armauflagen, den Helm und den Sattel machen durfte.

 

Um halb sieben fiel der Startschuss über die 3,8 Kilometer. Der See war mit 22,9 Grad angenehm temperiert und da Esther mir dankenswerterweise noch kurz vorher ihren Neo geliehen hatte, fand ich es auch nicht mehr schlimm mit Neo zu schwimmen. Ich hielt mich aus allem Getümmel raus um bloß keine Schläge ab zu bekommen und hatte das Gefühl, dass es gut läuft. Bis ich nach etwa 3km meinen ersten Krampf in der Wade bekam, wahrscheinlich durch das ständige Überstrecken des Fußes – ich vermisste die Wenden im Becken bzw. die kleinen Schwimmpausen im Badesee. Mühsam lockerte ich die Wade und irgendwann ging es wieder. Dann war ich fast traurig, dass die erste Disziplin schon vorbei war, selten habe ich das Schwimmen so genossen. Als ich dann in der Wechselzone meine Uhr anzog, durfte ich feststellen, dass ich richtig schnell war: 1h17 auf die 3,8km, das hätte ich mir nie ausgemalt.

Nicht ganz so schnell, sondern in Ruhe wechselte ich aufs Rad und es fing an zu schütten. War es während des Schwimmens noch trocken gewesen, konnte das auf dem Rad leider nicht mehr gelten. Ich schlich um jede Kurve um ja nichts zu riskieren und kam trotz des Wetters gut in den Tritt. Die flache Radstrecke kam mir nach vielen flachen Einheiten auf der Strecke Koblenz – Mainz dann letztendlich doch entgegen und ich fuhr ziemlich konstant 32km/h. Der einzige Hügel der Strecke war kaum der Rede wert, dafür die Stimmung da ziemlich gut. Ich freute mich auf die Verpflegung in Langenehrling, wo Jan mich mit Radflaschen versorgte und auf Barbing, wo meine Eltern mit Fotoapparat und Anfeuerungsrufen bereitstanden. Irgendwann hörte der Regen dann zum Glück auch auf und die Straßen trockneten.

 

 

Nach 180km und für mich selbst unerwartet schnellen 5:38 Stunden durfte ich dann auf die Laufstrecke wechseln. Ich hatte das Gefühl, ich kann gar nicht erst loslaufen, so wackelig fühlten sich die Beine an und gönnte mir dann erstmal noch eine kleine Pause auf dem Dixi. Dann lief ich los. Die ersten 10 Kilometer lief ich wie im Rausch, es lief richtig gut und machte richtig Spaß durch die Menschenmenge der Regensburger Innenstadt zu laufen, dann mir erst bei Jan und später bei meinen Eltern Gels und Getränke abzuholen und... ich lief wahrscheinlich zu schnell. Ich wollte eine Pace von 5:40 angehen, auf meiner Uhr waren es aber eher 5:20 auf der ersten Runde. Die Halbmarathonmarke war dann voll im Plan bei 1:54, aber ich wurde immer langsamer und meinte zu Jan beim Kilometer 23, dass das sehr harte letzte 20 Kilometer werden. Und so wurde es auch. Von Runde zu Runde wurde ich langsamer, mein Magen rebellierte gegen Iso und Gels und bei Kilometer 35 kam es wie es kommen musste: ich fing an zu gehen. Glücklicherweise gab es einen Betreuer am Streckenrand, der mir sagte: Traben geht immer! Sonst wäre ich wahrscheinlich noch ein paar Meter mehr spaziert. Die folgenden drei Kilometer waren echt hart, aber bei Kilometer 38 standen meine Eltern nochmal und ich machte mir klar, dass selbst wenn ich jetzt nur noch gehe, würde ich unter 12 Stunden bleiben. Der Gedanke beflügelte und ich konnte die letzten Kilometer die Pace wieder etwas erhöhen und dann irgendwann durfte ich endlich auf die Zielgerade abbiegen.

Was für ein Gefühl! aber eigentlich war ich zu kaputt um mich richtig zu freuen und es richtig zu realisieren, was ich da geleistet hatte. Nach 11h18 war die Uhr stehen geblieben.

 

Wieder in der Ferienwohnung kam noch die tolle Info, dass ich mir den Vizetitel in der AK bei den deutschen Meisterschaften erkämpft hatte – noch etwas, womit ich nicht gerechnet hätte. Die Siegerehrung am Montag habe ich dann in vollen Zügen genossen und bei der Heimfahrt im Auto ging mir das Grinsen nicht aus dem Gesicht.

 

Eine Langdistanz zu machen ist ein tolles Erlebnis, das ich nicht missen möchte, dennoch ist die nächste noch nicht geplant, der Trainingsaufwand ist einfach riesig.

 

An dieser Stelle nochmal DANKE an meine Familie, insbesondere meinen Mann und meine Eltern, die mich am Renntag so perfekt betreut haben, meine Vereins- und Trainingspartner, die mich mit Material, Trainingstipps und gemeinsamen Trainingseinheiten unterstützt haben, meine Osteopathin, die selbst Triathletin ist und es beispielsweise möglich machte, dass ich nach meinem Autounfall unverzüglich behandelt werden konnte und auch immer ein offenes Ohr für Langdistanz-Fachsimpeleien hatte, und nicht zuletzt meine Arbeitskollegen, die mir die 4-Tage-Woche ermöglicht haben und sehr viel Anteilnahme an diesem Großprojekt hatten.

 

Dorothee Richters

 

Gesamt: 11:18:01, Schwimmen 01:17:01, Wechsel 1: 00:04:46, Rad: 05:38:13. Wechsel 2: 00:06:33, Lauf: 04:11:31

 

Platz Gesamt: 177 (94 bei DM), Platz Frauen: 20 (11 bei DM), Platz AK 4 (2 bei DM)