Pleiten, Pech und Pannen beim Bonn Triathlon – dem trotzten zwei zufriedene Finisher
Seit letztem Jahr findet der traditionelle Bonn Triathlon wieder statt – eine verkürzte Mitteldistanz mit 3,8 Schwimmen im Rhein, 64 Radkilometern mit 800 Höhenmetern und 15km laufen. Letztes Jahr war ich mit Dirk am Start, dieses Jahr begleitete ich Winfrid zu seinem Mitteldistanz-Debut.
Schon die Anfahrt am Samstag gestaltete sich schwierig, wir standen über eine halbe Stunde auf der A3 im Stau und die Sperrung der Nord-Brücke sorgte auch nicht gerade für entspannte Straßenverhältnisse in Bonn. Aber wir haben die Startunterlagen bekommen und schon einen ersten Blick auf das Ziel geworfen.
Bei meiner Schwester angekommen checkte ich erneut – wie schon zu Hause - den Ladestatus meiner elektronischen Schaltung. Leider hatte ich bei der Autofahrt die Akkus nicht ausgebaut und das hatte die Akkus so leer gesaugt, dass der hintere Akku rot meldete. Dank des Netzwerks meiner Schwester zum SSF Bonn, die in ihren Chatgruppen meinen Aufruf verteilten, bekam ich Kontakt zu Leonie, die mir spontan ihr Ladegerät sowie zwei geladene Akkus lieh. Danke an dieser Stelle für diese unkomplizierte Hilfe, die einfach auf das Vertrauen auf dem Netzwerk aufbaute. Der SSF ist offensichtlich nicht nur Spitze in der Organisation des Bonn Triathlons sondern hat auch eine tolle Community. Und danke an Winfrid, der mich selbstlos nochmal 40 Kilometer durch die Gegend fuhr, um mir eine funktionierende Technik im Wettkampf zu ermöglichen.
Auf dem Heimweg ins Hotel kam die erste kleine Hürde bei Winfrid für den Start. Ein blöd geparkter E-Scooter sorgte für einen Kontakt mit dem Asphalt. Zum Glück war eine kaputte Hose die einzige am Sonntag noch sichtbare Auswirkung, so dass einem Start nichts im Wege stand. Wir radelten zum Check-In, was sehr unkompliziert funktionierte. Anschließend nahmen wir den Shuttle zum Schwimmstart und zogen dort den Neo an. Beim Schließen des Reißverschlusses platzte dieser bei Winfrid von unten wieder auf, so dass der Neo am Rücken aufstand. Mit vereinten Kräften von mehreren Triathleten bekamen wir den Reißverschluss wieder nach unten und geschlossen (alleine war ich machtlos).
Dann der Schwimmstart. Ich zog die Wettkampfbrille auf und hüpfte ins Wasser. Meine Brille beschlug sofort – zuletzt beim Swim & Run funktionierte sie noch einwandfrei – und ich sah quasi nichts mehr. Im Blindflug 4,2 Kilometer (die Schwimmstrecke war kurzfristig 400m verlängert worden wegen Niedrigwassers) im Rhein war schon etwas aufregend, ich versuchte mich darauf zu konzentrieren, den Kontakt zu den anderen nicht verlieren, denn Orientierung war nicht möglich. Ich sah keine DLRG Boote, keine Bojen und konnte auch den Abstand zum Ufer nicht richtig abschätzen. Dank der Strömung konnte ich meine lädierte Schulter schonen und nur locker die Arme bewegen. Nach gut 36 Minuten wars vorbei und ich verpasste den Ausstieg nur nicht, weil ich mir rechtzeitig die Brille vom Kopf riss, um endlich wieder zu sehen.
Wechseln, Weste an wegen Kälte und Wind und rauf aufs Rad. Die Schaltung funktionierte einwandfrei und ich kam gut in den Tritt. Nach ca. 20 Kilometern überholte ich Winfrid, der voll im Plan unterwegs war. Weitere 20km später merkte ich, dass sich mein Flaschenhalter vorne gelockert hatte. Ein Tool hatte ich nicht dabei, so drehte ich die Schraube so gut es ging von Hand rein und nutzte jeden Höhenmeter, um die Schraube wieder festzuziehen. Ich sollte die Materialvorbereitung etwas ernster nehmen...
Nach 2h20 erreichte ich wieder die Wechselzone und war gespannt, wie sich nach meinen Problemen mit der neurologischen Stabilität das Laufen gestalten würde. Vorsichtig setzte ich Schritt um Schritt, bekam immer mehr Vertrauen ins Laufen und pendelte mich knapp unter einem 5er Schnitt ein. Auf den letzten zwei Kilometern begannen die Probleme und ich hoffte, mich ohne Sturz durch Wegsacken des Beines ins Ziel zu retten. Das klappte und nach 4h19 lief ich hochzufrieden im Ziel ein. Winfrid war zu diesem Zeitpunkt schon auf Runde drei, kämpfte ein wenig mit Magenproblemen, aber lief dann nach 4h50 hochzufrieden ein. Stolz seine erste Mitteldistanz absolviert zu haben und belohnt mit einem zweiten Platz in der AK70. Die Siegerehrung haben wir gerne abgewartet!
Dorothee Richters

